Handball ohne Schiedsrichter geht nicht. Aber oft sind die Männer und Frauen im schwarzen Kittel die „Buhmänner". Wir wollen einmal unseren „Vorzeige-Schiri" Sebastian Grobe zu seinem Ehrenamt befragen. Das Interview führt unser Pressewart Michael Greve durch:
Hallo Sebastian,
Du bist der „Vorzeige-Schiedsrichter" der SG Zweidorf-Bortfeld. Wie bist Du überhaupt zum Pfeifen gekommen und seit wann übst Du dieses Amt aus?
Am Anfang war es wohl ein relativ einfaches, durch meinen Vater gefördertes, Interesse, mehr aber auch nicht. Die Schiedsrichterprüfung habe ich 1999 mit meinem guten Freund Philip Pietruk abgelegt, aber das Spielen stand bei uns immer noch absolut im Vordergrund. Irgendwann habe ich dann aber für mich erkannt, dass es als Spieler bei weitem nicht für den großen Traum „Bundesliga" reicht und habe nach anderen Wegen gesucht. Während meiner Zeit in der A-Jugend des MTV Braunschweig habe ich dann Adrian Kinzel kennengelernt, mit dem ich nun seit 10 Jahren durch Dick und Dünn gehe.
In welchen Klassen leitest Du Spiele?
Wir gehören aktuell dem B-Kader des DHB (Deutscher Handball Bund) an und pfeifen vornehmlich in den jeweils zweiten Ligen des Männer- und Frauenbereichs. Letztes Jahr durften wir zusätzlich bereits zwei Spiele in der 1. Bundesliga Frauen leiten.
Wieviele Kilometer fährst Du durchschnittlich in einer Saison?
Ich denke, im Schnitt sind es mindestens 600 Kilometer pro Spiel bei 30-35 Punktspielen in der Saison Dazu kommen diverse Vorbereitungsspiele, Turniere, Lehrgänge, Stützpunkte und Spielbeobachtungen. Man sollte sich das wohl besser nicht ausrechnen. Genauso wenig wie die Zeit, die man auf den Autobahnen der Republik verbringt.
Hat Dich der kürzliche Unfalltod eines der besten Deutschen Handball-Schiedsrichtergespanne Methe/Methe aus dem Raum Kassel sehr betroffen? Wir haben bei einem unserer Oberliga-Heimspiele in Vechelde eine Gedenkminute eingelegt.
Dieses Ereignis ist an Tragik nicht zu überbieten. Wir durften Bernd und Reiner vor der Saison bei einem Vorbereitungsturnier kennenlernen. Ich habe selten zwei herzlichere Menschen kennengelernt, die jedem offen und freundlich begegneten und uns wahnsinnig unterstützten. Am Tag vor dem Unfall haben wir noch eine Einladung von Reiner zu einem gemeinsamen Stützpunkt erhalten. Wir waren gemeinsam mit vielen weiteren Kollegen auf der Trauerfeier in Kassel und nahmen Abschied von diesen beiden wirklich außergewöhnlichen Menschen.
Wie reagierst Du vor einer großen Zuschauerkulisse, wenn Du mal unpopuläre Entscheidungen gegen den Heimverein getroffen hast und anschließend ausgepfiffen wirst?
Die größte Kunst als Schiedsrichter ist es, vergangene Entscheidungen sofort abzuhaken und äußere Einflüsse so gut wie möglich auszublenden. Natürlich kann ich nicht von mir behaupten, dass mich ein großes Pfeifkonzert erfreut, aber so lange man über die Dauer des Spiels oder der Saison authentisch auftritt, gewinnt man unter dem Strich den Respekt der Beteiligten. Ein Pfeifkonzert gehört dann schon einmal dazu.
Was war bisher Dein interessantestes Spiel, das Du mit Deinem Partner geleitet hast?
Da gibt es kein bestimmtes Spiel. Besondere Herausforderungen sind sicherlich immer Spiele zum Ende der Saison oder Vorbereitungsspiele mit Bundesligamannschaften. Ansonsten bleiben einem natürlich immer die jeweils ersten Begegnungen in höheren Klassen in guter Erinnerung.
Welchen Rat kannst Du mit Deiner Erfahrung jungen Sportlern geben, die ebenfalls damit liebäugeln auch Handball-Schiedsrichter zu werden?
Das Image unserer Zunft ist leider viel schlechter als es sein sollte, aber man darf nie unterschätzen, was es dir als Person bringt. Für meine Persönlichkeitsentwicklung war es sehr förderlich und in jedem Bewerbungsgespräch war dieses „Hobby" ein großes Thema, von dem ich immer profitiert habe. Man muss insbesondere als junger SR lernen, sich nie zu wichtig zu nehmen und sich als Teil des Spiels zu sehen. Mit dieser Authentizität wird man Erfolg haben.
Außer als Schiedsrichter bist Du auch noch manchmal als SG-Torwart zu sehen. Wie lässt sich das terminlich vereinbaren?
Diese Zeiten sind vorbei. Es fehlt mir einfach die Zeit und daher musste ich dieses Opfer bringen. Nicht zuletzt war mir die Verletzungsgefahr einfach zu groß.
Kann ein Handballspiel überhaupt ohne Schiedsrichter stattfinden?
In den unteren Klassen wird es wohl oder übel Normalität werden. Um diesen Trend zu stoppen, müssen wir einiges ändern. Vielleicht sollte man gestandenen Spielern die Lehrgänge vereinfachen oder in der Region ein Jahr des Schiedsrichters ins Leben rufen und dabei massiv am Image pfeilen. Aus meiner Sicht müssen insbesondere die Vereine umdenken und verstärkt über die SR berichten und sie unterstützen. Bei den Mannschaften ist dies ja genauso möglich. Ich hoffe, es wird nie so weit kommen, dass man über Punktabzüge bei den aktiven Mannschaften nachdenken muss.
Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir immer den richtigen Pfiff und viel Spaß beim Leiten von großen Spielen.
Wir werden in den nächsten Ausgaben in loser Reihenfolge immer mal wieder diese Form der Berichterstattung der SG geben, um auch dem Ehrenamt im Sport die gebührende Stellung zu geben. Anbei noch die nächsten Heimspiele unserer Oberligateams:
Oberliga-Damen:
15.01.12 15 Uhr SG – HSG Heidmark
29.01.12 17 Uhr SG – SC Germania List Hannover
Oberliga-Herren:
15.01.13 17 Uhr SG – MTV Großenheidorn
05.02.12 17 Uhr SG – TuS Grün Weiß Himmelsthür
Die weiteren Punktspiele aller anderen Mannschaften sind der Tagespresse oder der Internetadresse der SG zu entnehmen. Hier finden Sie die letzten Neuigkeiten unter www.sg-zweidorf-bortfeld.de. Wir wünschen allen Besuchern der Heimspiele eine gute Anreise nach Vechelde und für das Jahr 2012 viel Gesundheit und sportliche Aktivitäten.